Einträge
Laurita,
29 Juni 2010
Nicaragua
, Esteli
25°
Hallo IHR!!!
Es wurd ja schon lange mal wieder Zeit fuer einen Zwischenberricht und auch ein Hallo hier auf dieser Seite, deswegen stell ich hier einfach meinen Berricht rein...!
Ich hoffe ihr geniesst sehr den Sommer, denn hier ist ja im Moment regenzeit, was zwar in Deutschland immernoch wie Sommer waere, von den Temperaturen her, aber fuer hierige Verhaeltnisse ist es KALT... manchmal!!
Den Text werde ich demnaechste auch mit Fotos nochmal per mail herumschicken! Aber bis dahin schonmal viel Spass nur mit dem Lesen.
Estelí/ Nicaragua, Juni 2010
3. Zwischenberricht aus Nicaragua
Mit jeder neuen Woche und jedem neuen Monat der beginnt, merke ich, dass das Ende meines Aufenthaltes naeher kommt.
Seit dem letzten Berricht ist ja auch schon wieder viel Zeit verstrichen, aber es sind auch einige Dinge passiert: WG-Leben, Urlaub in Hondruas und Nicaragua, Deutschunterricht, Besuch von meiner Familie aus Deutschland und Muttertagsfeiern.
Freizeit
Ende Februar bin ich mit 3 weiteren deutschen Freiwilligen in eine WG, im Zentrum von Estelí gezogen. Mittlerweile ist fuer mich schon alles so alltaeglich hier geworden, dass es mir garnicht so einfach faellt darueber zu berichten...
Wie sieht denn nun mein Alltag aus?
Seit dem wir alleine wohnen, ist es unsere Aufgabe, neben unserer taeglichen Arbeit in den Projekten, die Aufgaben im Haus zu machen. Dies bedeutet, dass wir einkaufen, kochen, putzen, waschen, Miete, Wasser, Strom und Wachmann bezahlen gehen. Das sind alles normale Dinge die auch in Deutschland und hier alle machen muessen, jedoch ist es fuer mich oft laestig, weil ich es noch nciht gewohnt bin und auch die Arbeit in meiner Organisation viel Zeit einnimmt ich meinen einizgen freien Tag nicht unbedingt immer mit waschen oder anderen Haushaltsarbeiten verbringen moechte. Abgesehen diesen neuen Aufgaben, die uns vorher unsere Gastfamilien abgenommen haben, gefaellt es mir unabhaengig und selbststaendig zu wohnen und entscheiden zu koennen, was ich in meinem bzw. unserem Haus mache.
Jedoch war es zu Anfang garnicht so einfach wie wir uns das alles vorgestellt hatten. In Nicaragua hat nicht jeder einfach sein Haus in dem er machen kann was er will, denn die Nachbarschaft hat da immer ein Woertchen mitzureden. Es geht ihnen vor allem darum ihr Barrio sauber zu halten, nicht nur im Sinne von Sauberkeit auf der Strasse, sondern eher was fuer Leute sich dort aufhalten. Sie haben Angst, dass dort Menschen auftauchen die sie nicht kennen und einschaetzen koennen. Also sprachen wir nach einem schriftlichen Wortwaechsel, der nicht direkt ueber uns sondern ueber das Welthaus hier lief, mit dem Líder* des Barrios und regelten so, dass wir um 10 Uhr abends die Musik ausschalten, aber das wir bei besonderen Anlaessen auch mal eine Feier machen duerfen.
*Verantwortlicher fuer einen Stadtteil/ eine Gemeinde etc.
Seit dem gab es auch keine Schwierigkeiten mehr, wir haben eine nette Nachbarin, die sich immer um uns sorgt, uns Ratschlaege gibt wenn wir krank sind und fuer die deutsche Nationalmannschaft Gott bittet er solle sie bis zum Finale bringen.
Land und Leute kennen lernen
In der Semana Santa (Heilige Woche), wie hier die Osterferien genannt werden, sind Lasse und ich nach Hoduras gefahren, um meine honduranische Gastfamilie zu besuchen. Fuer ca. 10 Tage waren wir bei meiner Gastfamilie in Olanchito, dem neuen Ort wo sie jetzt wohnen. Da sie jetzt einen Comedor(so eine art Schnellrestaurant - Imbiss)besitzen, konnten sie sich nicht viel frei nehmen. Da man aber die Ostertage nicht arbeiten darf, konnten wir viel in Fluessen schwimmen gehen und die restliche Zeit wurden wir irgendwelchen Freunden vorgestellt, wurden mit Baleadas (Mehltortilla mit Bohnenbrei, geriebenem Kaese und evtl. Avokado) morgens und abends vollgestopft und haben ein Wandbild in den Comedor gemalt, um ihnen auch etwas fuer ihre, in ihren Augen selbstverstaendliche, Gastfreundschaft zurueckzugeben.
Die Semana Santa verbringen die meisten Familien zusammen, und da es angeblich die heisseste Zeit im Jahr ist, machen sie Ausfluege an den Strand, an Fluesse oder an Seen.
Ansonsten habe ich Lasse Tocoa gezeigt (der Ort in dem ich ein Jahr gelebt habe und zur Schule gegangen bin), habe ein paar Freunde und meine Nachbarn dort getroffen, habe mich gefreut durch bekannte Strassen zu gehen, einen Bekannten Taxifahrer zu treffen der uns ein Stueckchen mitnimmt und mich im Fluss von Tocoa die Stroemung hinuntertreiben zu lassen.
Die letzten Tage haben wir dann auf der Karibikinsel Utila verbracht, auf der wir nochmal so richtig Urlaub machen konnten, das Karibikfeeling geniessen konnten und uns dann am letzten Tag auf einer neben Utila liegenden, kleinen, unbewohnten Insel am Strand von einem karbischen Fluch heimsuchen zu lassen, der uns all unsere Schaetze (Wertsachen) abgenommen hat. Wir konnten uns nicht logisch erklaeren wie die Sachen verschwunden sind.... Nun ja, aber so ein Leben ohne Wertsachen hat ja auch etwas an sich, und so gleiche ich mich der Mehrheit der mittelamerikanischen Bevoelkerung auch an. Die meisten besitzen zwar einen Fehrseher oder eine Musikanlage aber ansonsten kaum Wertsachen wie sie in europaeischen Laendern ueblich sind.
Mit dem Besuch von meinen Eltern und meiner Schwester aus Deutschland im Mai, konnte ich noch viele weitere wunderschoene Orte Nicaraguas kennenlernen. Wir bereisten 2 Wochen lang verschiedene Teile des Landes.
Jedoch fuehlte ich mich als Touristin meistens etwas unwohl, weil es mir schwerer vorkam in Kontakt mit den Menschen zu kommen. Wenn man an einen Ort kommt, nur um ihn zu sehen und ihn kennenzulernen aber keine Aufgabe dort hat, dann ist das irgendwie noch kein richtiger Grund. Obwohl es auch schoen ist, mit Zeit neue Gegenden zu erkunden, dennoch habe ich zwischendurch einen Widerspruch gesehen in dem was wir machten.
Die Leute freuten sich meistens, wenn sie hoerten, dass ich/wir Spanisch sprechen und ich in Estelí arbeite. Fuer mich war es auch immer gut wenn jemand Esteli kannte, somit hatten wir etwas Gemeinsames und ich habe mich nicht ganz so fremd gefuehlt.
Arbeit
Bei einem 3-taegigien Seminar ueber Educación popular reflektierten und srachen wir sehr viel ueber die Metodik unserer Arbeit, wie wir uns gegenueber den Leuten mit denen wir arbeiten sehen, wie wir mit ihnen umgehen, was wir von ihnen und von uns erwarten koennen, wie wir uns bei der Arbeit fuehlen und in wie fern wir der Erfuellung des Motives unseres Projekts nachgehen.
Diese drei Tage verhalfen uns dazu jeden Montag eine Besprechung im Team zu machen, in der wir ueber die vergangen und die kommende Woche reden und schauen was wir verbessern koennen. Einmal im Monat versuchen wir nun auch ueber unsere Gefuehle zu sprechen, dabei soll jeder sagen wie er sich im Team fuehlt, wie er sich im Barrio mit den Jugendliche fuehlt und ob es noch ein schlechtes Gefuehl einem Arbeitskollegen gegenueber gibt, was noch nicht ausgesprochen wurde.
Diese Treffen schaffen immer wieder eine gute Atmosphaere innerhalb unseres Teams.
Wir machen weiterhin die monatlichen Treffen mit den Jugendlichen und mit den Familienmitgliedern, jedoch entscheiden sie nun ueber welche Themen wir mit ihnen sprechen, wir wollen mehr Beteilung ihrerseits und Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe. In einer der Gruppen sprachen wir ueber Verhuetung und Familienplanung und da ein paar von ihnen auch schon Kinder haben, erzaehlten sie den juengeren ihre Erfahrungen und was fuer eine Verantwortung es ist vater zu sein. Mit anderen sprachen wir ueber Nikotinkonsum und was fuer Gruende sie haben, zu rauchen oder auch nicht zu rauchen.
Im Mai haben wir fast den ganzen Monat die feier fuer den Muttertag am 30. Mai vorbereitet. Dieser tag wird hier fast groesser als Geburtstag oder Weihnachten gefeiert. Fuer die Muetter unseres Projektes haben die Jugendlichen ihnen Karten gebastelt und geschrieben, in denen sie ihre Gefuehle fuer sie ausdruecken konnten.
Es war ein witziges und schoenes Bild, wie diese Jugendlichen die sich sonst so oft cool und verschlossen geben, sich viel Zeit nahmen um die Karten mit Herzchen und Bluemchen zu bekleben und herzliche Worte an ihre Muetter zu schreiben.
Ein paar von ihnen wollten keine Karte machen, da sie entweder keinen Kontakt zu ihrer Mutter haetten oder sagten, dass sie es nicht wert sei weil sie nie herzlich mit ihnen gewesen ist.
Fuer den Tag der Feierlichkeit, luden wir die Muetter und die Jugendlichen von drei Gruppen ein, um einen emotionalen Nachmittag zu verbringen aber im Vordergrund sollten die Muetter gefeiert werden. Es gab viel Musik, verschiedene Spiele mit kleinen Preisen, eine Piñata, reichlich Essen und kuenstlerische Darstellungen von den eigenen Soehnen.
Fuer uns jedoch war der wichtigere Teil, der in dem sich Mutter und Sohn gegenseitig ihre Gefuehle ausdrueckten und die Karten ueberreichten. Zuerst sollten die Muetter sich ein wenig Zeit nehmen, um nachzudenken was sie ihrem Sohn zeigen moechten. Viele von den Frauen fingen an zu weinen als sie sprachen und baten ihren Sohn ihr eine Umarmung zu geben. Auch den Jugendlichen kamen Traenen, was ihnen zuerst sichtlich unangenehm vor ihren Freunden war, als sie aber merkten dass diese sich nicht ueber sie lustig machten sondern ihnen eine Hand auf die Schulter legten, liessen sie die Traenen nur so fliessen.
Auch ich musste immer wieder weinen, weil es so schoen war, zu sehen wie sich Mutter und Sohn solche Zuneigung zeigen und dass es das ist wonach sie sich eigentlich alle sehnen, weil es in ihren Haeusern so wenig davon gibt.
Einer der Jungen hat seine Mutter, beim Ueberreichen der Karte, um Verzeihung gebeten da er sie eine Woche zuvor, bei einer Auseinandersetzung mit einem Regenschirm auf den Kopf geschlagen hatte.
Fuer die Jugendlichen ist es glaube ich eine grosse Ueberwindung vor so vielen Leuten ihre Gefuehle auszudruecken, obwohl fuer die meisten hier die Mutter der wichtigste Mensch in ihrem Leben ist.
Ich selbst weiss nicht, ob ich den Mut gehabt haette vor so einer grossen Gruppe meine Gefuehle so zu aeussern. Fuer mich waren diese beiden Tage so voll von Freude aber auch Trauer und Enttaeuschung, fuer die Jugendlichen die keine Mutter oder jemanden der sie wie einen Sohn behandelt haben. Jedoch sind sich einige wieder ein Stueckchen naeher gekommen, auch wenn es immer noch so viele Faktoren gibt, die vermeiden, dass die Menschen hier in den Familien wirklich liebe- und respektvoll miteinander umgehen.
Mit unserer Englischklasse kommen wir immer ein Stueckchen weiter, auch wenn es uns die Umstaende etwas erschweren, da wir keinen eigenen Raum haben, manche Kinder nicht regelmaessig kommen, wir alle unsere Materialien selbst entwerfen muessen und keinen richtigen Leitfaden haben. Dennoch macht es immer wieder Spass, weil die Kinder mehr lernen und sie nun schon einige Lieder kennen sie auch schon vorgesungen haben.
Ich sehe den letzten Wochen weiterhin mit Spannung entgegen und hoffe noch weitere schoene Momente mit den Menschen hier zu teilen. Dennoch kommt auch schon viel Vorfreude auf Alemania in mir auf.
Ganz liebe kuehle, regnerische Gruesse aus Nicaragua!!
Eure Laura
Kommentare zu diesem Eintrag

Laura verrassen met Hollandse lekkernijen?
Dat kan via Heimweewinkel.nl van de Telegraaf. De online winkel met Nederlandse producten voor uw geliefden en bekenden in het buitenland. Van drop tot pepernoten en van HEMA producten tot Delfts blauwe souvenirs. Alles wat je wilt versturen naar het buitenland op één plek.
Bestel nu een Hollands geschenkpakket voor Laura
Kommentare zu diesem Eintrag
4 Juli 2010
Liebe Laura,
danke fuer diesen schoenen Bericht. Jetzt, wo ich Nicaragua, Esteli und deine FreundInnen und deine KollegInnen und auch einige Kinder und Jugendliche kennengelernt habe, kann ich mir deine Beschreibungen noch viel besser vorstellen. Besonders anrührend finde ich den Bericht über die Feiern zum Muttertag, zumal ich miterleben konnte, mit welcher Hingabe eine Gruppe junger Männer die Muttertagskarten geschrieben und gestaltet hat, was mich damals schon sehr beeindruckt hat.
Ich wünsche dir noch eine gute zeit mit den vielen lieben Menschen, die dich umgeben.
Ingrid
12 Juli 2010
Liebe Laura!
Der Bericht ist echt spannend und bewegend. Ich finde es echt toll, was du da machst und dass du uns teilhaben lässt. Hoffe ich kann irgendwann mal mit dir da hinfahren
.
Wir sehen uns ganz bald wieder.
Freue mich schon riesig.
deine Caro
Menü
Profil
Aktueller Standort:
Nicaragua,
Esteli| My first travel | (2006) |


Reisepartner
Bleib auf dem Laufenden!
Ja, ich will bei einem neuen Beitrag sofort benachrichtigt werden. Meine E-Mail-Adresse:
Per SMS über neue Reiseberichte auf dem Laufenden gehalten werden? Schick eine sms an
Dieses Tagebuch hatte bereits 33414 Besucher und ist ein Teil von WoBistDuJetzt.com

